Das Ende der Monolithen im Krankenhaus und Labor-EDV-Bereich

» Artikel veröffentlicht am 16.03.20, von

 

Auf der MEDICA 2019 am KKC-Stand versuchte Tim O. Knipps, einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter des Soester Familienunternehmens COMED GmbH, eine Antwort auf die Frage:

Was kommt auf die Kliniken durch Verkäufe, Medizinproduktegesetz, Cyberattacken und Einstellungen zu.

Er zitierte aus einem Bericht von PricewaterhouseCoopers International von 2019. Der Markt für Fusionen und Übernahmen im deutschen Gesundheitssektor boomt, die Zahl der Transaktionen mit Beteiligung von Private-Equity-Firmen ist im Jahre 2018 deutlich gestiegen. Bei den Kranken­häusern dominieren die strategischen Zusammenschlüsse, die niedergelassenen Leistungserbringer konzentrieren sich auf die Intensivpflege.

Provokativ stellte Tim Knipps die Frage, ob sich die deutsche Kliniktechnik nicht bald in der Hand der amerikanischen Kon­zerne von Google & Co befinden wird. Beunruhigt beobachtet er den Machtkampf zwischen den Blöcken China, USA und Europa: In China gilt die Leitlinie: „Erst machen dann regeln“ mit der Zielsetzung, einen gläsernen Orwell-Patienten zu schaffen. Die Amerikaner kaufen zuerst den Markt, wecken den Bedarf (try and buy) und schaffen anschließend Abhängigkeiten. In der EU dage­gen kämpft jeder gegen jeden, es fehlt eine europäische Gesamtstrategie. Der Anteil der Investitions­volumina im Bereich Digital Health im Zeitraum von 2013 bis 2017 zeigt deutlich die Dominanz der USA mit 75%. In Deutschland investierten nur 0,5% der globalen Investoren.

Die Situation ist angesichts der neuen Technologien wie Künstliche Intelligenz, Patientenchipkarten, der personalisierten Medizin und Smart Contracts mit Blockchain-Anwendungen sehr alarmierend. Im eHealth-Sektor taucht zunehmend der „ePatient“ auf: er führt seine Gesundheitsakte selbst und erkennt eigenhändig gesundheitliche Abweichungen. Die Mehrheit der Patienten wünscht sich eine elektronische Patientenakte, die von der Krankenkasse und nicht vom Staat verwaltet wird. 63% würden dem Arzt oder dem Krankenhaus ihre Gesundheitsdaten aus der App anvertrauen.

Generell beobachtet Tim Knipps auf der Basis von 1.800 COMED-Installationen in 18 Ländern einen Sprung vom „Internet of Information“ zum „Internet of Value“. Die klassischen Geschäftsmodelle werden durch Eliminierung von Zwischeninstanzen ersetzt. Im Bereich der Labormedizin erwartet er ein Sterben der Kliniklabore ohne Vollautomatisierung. Die Zukunft liegt beim vollautomatisierten Zentrallabor in Ergänzung zum Point-of-Care-Testing (POCT) und den neuen Technologien wie das Next Generation Sequencing (NGS).

Das Krankenhaus-Kommunikations-Centrum KKC e.V. forderte im 10-Punkte-Plan der BVMW-Mittelstandallianz für die Wahlperiode 2017 bis 2021 „eine ganzheitliche Strategie in der Gesundheitspolitik, die den digitalen Innovationen gerecht wird und die Patientensicherheit in den Vordergrund stellt. Seit Jahrzehnten müssen die deutschen Gesundheitspolitiker immer wieder hastig mit neuen Reformen eingreifen.“

© Manfred Kindler

siehe auch: Stellungnahme Digitalisierung und Innovation BVMW KKC